Geschichte

Chronik 1885 – 2010

 

Man schrieb das Jahr 1885, als sich idealistisch gesinnte Männer zusammentaten, um in Katastrophenfällen wirksamer als bisher eingreifen und schützen zu können. Die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr  Gödersdorf-Müllnern hatte geschlagen. Entschlossene Ortsbewohner hatten bereits vor 127 Jahren vorausschauend erkannt, dass nur eine Gemeinschaft wie die Feuerwehr in der Lage ist, den Mitbürgern bei Notständen und Gefahren helfend beizustehen. Gemeinschaftssinn und Hilfsbereitschaft waren schon immer Leitmotive der ortsansässigen Bevölkerung. So konnten die ersten Gemeinschaftseinrichtungen – wie das 1907 erbaute Spritzenhaus in Gödersdorf – mit den notwendigen Ausrüstungsgegenständen geschaffen werden. Die damalige Gemeinde war nicht in der Lage, auch nur die geringste finanzielle Hilfe hiefür zu leisten. Umso größer war der Zusammenhalt in dieser Wehr.

Erste Kommandantenwahl

Am 17. Oktober 1886 fand im Gebäude der ehemaligen Spiritus- und Hefefabrik (heute Eierteigwarenfabrik) in Müllnern die erste ordentliche Versammlung der neugegründeten Wehr statt. Eine Aufzeichnung im Protokollbuch deutet auf ein noch längeres Bestehen hin. Hier heißt es nämlich: „Hans Lepuschitz und Johann Truppe dienten im Feuerwehrwesen seit 1884“. Erster Kommandant war Hans Lepuschitz. Die Mitgliederzahl lag damals bei 46 Mann. Zum Ausrüstungsgegenstand der ersten Stunde gehörte die sich noch heute im Besitz der FF Gödersdorf befindliche Hydrophorpumpe.

Errichtung des Spritzenhauses der FF GödersdofDas alte Spritzenhaus der FF Gödersdorf

Ein wesentlicher Meilenstein in der Geschichte der Wehr wurde mit dem Bau eines Spritzenhauses in Gödersdorf gesetzt. In dem 1907 errichteten Objekt fand die Feuerwehr eine neue Heimstätte. Die Gerätschaften, bis zu diesem Zeitpunkt in einem für diesen Zweck adaptierten Raum in der ehemaligen Hefe- und Spiritusfabrik untergebracht, wurden in das neue Rüsthaus verlegt. Heute dient der inzwischen dem Ortsbild angepasste Bau der Unterbringung der historischen Geräte. Auch die Böller, die zu Ostern oder bei sonstigen festlichen Anlässen, damals noch mit Lunte gezündet wurden, waren hier aufbewahrt. Am Südrand des Ortes gelegen, zeigt es den Beginn des eigentlichen Ortskerns an. Das „Spritzenhaus“, wie man es früher nannte, ist heute noch ein liebenswertes Stück „Alt-Gödersdorf “.

 

Interessante Daten aus dem Protokollbuch der Freiwilligen Feuerwehr Göderdorf

  • 18. 5. 1900:
    Spende Seiner Majestät des Kaisers von 200 Kronen an die Feuerwehr Gödersdorf-Müllnern
  • 1903:
    Beistellung der Feuerwehrleute für den Brandschutz bei den Kaisermanövern
  • 6. 4. 1903:
    Spende der Feuerwehr von 4,5 Kronen für die Abbrandler von Kötschach
  • 2. 6. 1908:
    Überweisung einer Spende von 10 Kronen an die Feuerwehr Obermösel (Gottschee) für den Bau eines Feuerwehrhauses
  • 24. 8. 1911:
    Spende der freiwilligen Feuerwehr Gödersdorf-Müllnern von ebenfalls 10 Kronen an die Feuerwehr Abbazzia für die Errichtung eines Feuerwehrhauses

Historische Gerätschaften der FF Gödersdorf

Der Leichenwagen und seine Erbauer Franz Lepuschitz (links) und Franz Willitsch (rechts)Im Jahre 1924 erfolgte der Ankauf der ersten Motorspritze. Es handelte sich dabei um das erste derartige Gerät im Bereich der Gemeinde Finkenstein. Dieses Fabrikat der Marke „Wilhelm Knaust“ gehört zu den Beständen des historischen Geräteparkes, wo es liebevoll gepflegt, auch heute noch bei Schauübungen zum Einsatz gebracht wird. Die beiden Gödersdorfer Feuerwehrmänner Franz Willitsch und Franz Lepuschitz fertigten im Jahre 1930 einen Leichenwagen an. Viele Bewohner der umliegenden Orte wurden auf diesem Wagen zu ihrer letzten Ruhestätte geleitet. Die erste Sirene in Gödersdorf wurde 1935 angeschafft und auf Schloss Neufinkenstein installiert. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Alarm durch das Läuten der Kirchenglocken ausgelöst.

Nachkriegszeit

Das erste Feuerwehrauto, 1948 Zwischen 1938 und 1945 wurde die Wehr durch den kriegsbedingten Einsatz vieler ihrer Mitglieder stark dezimiert. Nach Kriegsende wurde die Tätigkeit sofort in vollem Umfange wieder aufgenommen. Am 8. September 1945 wurde im Gasthaus Markowitz die erste Sitzung nach dem Krieg abgehalten. Der damalige Mannschaftsstand betrug 27 Mann. Ab diesem Zeitpunkt erfolgte sodann eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung. Neue  Mitglieder traten der Wehr bei – der Ausrüstungsstand wurde erweitert. Mit dem Ankauf des ersten Feuerwehrautos, eines LKW der Marke „Opel Blitz“ im Jahre 1948 konnte die Schlagkraft weiter verstärkt werden.

Eine 1952 angeschaffte Tragkraftspritze der Marke „R 75“ bewirkte eine weitere Steigerung der Einsatzkraft. Unter Kommandant Karl Urschitz wurde 1954 die Idee zum Bau eines neuen Rüsthauses geboren. Nach dem Erwerb des hiefür vorgesehenen Grundstückes aus dem Besitz der Diözese Gurk, konnte am 7. Mai 1955 mit dem Bau des Hauses begonnen werden. Die finanziellen Mittel wurden zum größten Teil durch die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung, dem Erlös aus den zu dieser Zeit abgehaltenen „Waldfesten“ in den Gailauen sowie durch Zuwendungen der Gemeinde aufgebracht. In rund eineinhalbjähriger Bauzeit konnte das Objekt am 23. Juni 1957 in feierlicher Form seiner Bestimmung übergeben werden. Die Bevölkerung hatte gemeinsam mit den Feuerwehrleuten in über 5.000 freiwillig geleisteten Arbeitsstunden dieses Gemeinschaftswerk  vollendet. An der Einweihung nahmen neben offiziellen Vertretern viele Feuerwehrleute sowie die gesamte heimische Bevölkerung teil. Den Weiheakt vollzog Hochwürden Pfarrer Philip Millonig.

Rüsthausweihe, 1957

Historische Löschfahrzeuge

Tanklöschfahrzeug der Marke Steyr1959 erfolgte der Ankauf eines Tanklöschfahrzeuges der Marke „Steyr 480 – 2000 Liter“zum Preis von rund 350.000 Schilling: Der Einsatzwagen zählte damals zu den technisch

modernst ausgerüsteten  Feuerwehrfahrzeugen unseres Landes. Im gleichen Jahr wurde die FF Gödersdorf zur Hauptfeuerwache der Gemeinde Finkenstein ernannt. Bedingt durch den nunmehrigen modernen Ausrüstungsstandard wurde die Feuerwehr vermehrt zu Einsätzen außerhalb ihres Pflichtbereiches gerufen. So standen die Florianijünger unter anderem bei Brandkatastrophen im benachbarten Italien, in den Gailtaler Orten Feistritz und St. Stefan sowie in St. Jakob im Rosental, Töplitsch und Villach im Löscheinsatz. Die Feuerwehren wurden in immer größerem Maße zu einem wesentlichen Faktor des menschlichen Sicherheitsgefühls.

Mit dem steigenden materiellen Wohlstand und der gegebenen weltumspannenden Information nahm auch das Sicherheitsbedürfnis der Menschen gegenüber Gefahren aller Art zu. Um dieser Schutzaufgabe möglichst umfassend gerecht werden zu können, wurde der bestehende Gerätepark den Erfordernissen entsprechend erweitert. So erfolgte im Jahre 1961 der Ankauf eines VW-Mannschaftswagens. Um für das immer umfangreicher werdende Ausrüstungsarsenal, das 1963 durch die Übernahme eines Katastrophenanhängers weiter ausgebaut wurde, entsprechende Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen, kam es zur Errichtung des ersten Zubaues. Um auch in schwierigem Gelände wirksam Hilfe leisten zu können, entschloss sich die Wehr mit finanzieller Beteiligung des Landes und der Gemeinde im Jahre 1966 zur Anschaffung eines geländegängigen Fahrzeuges der Type „Landrover“. Eine Tragkraftspritze der Marke „VW Automatik“, ein Notstromaggregat, zwei Schmutzwasserpumpen sowie Funkgeräte ergänzten in weiterer Folge den bestehenden Gerätepark.

Erweiterter Fuhrpark, 1966

Erdbebenkatastrophe 1976

1976 wurde die benachbarte italienische Region Friaul von einer furchtbaren Erdbebenkatastrophe heimgesucht. An die tausend Menschen fanden unter den Trümmern den Tod, weitere Zehntausende verloren ihr gesamtes Hab und Gut. Der unverschuldet in Not geratenen Bevölkerung wurde eine Welle der Hilfsbereitschaft entgegengebracht. Es war daher eine Selbstverständlichkeit, dass sich auch Männer der Gödersdorfer Wehr zu Einweihungen des Zubaues und des Katastrophenanhängers, 1963 freiwilligen Hilfseinsätzen in das Katastrophengebiet begaben. Der „VW“-Mannschaftstransportwagen wurde 1978 durch die Anschaffung eines technischen Fahrzeuges der Type „Ford Transit“, in dem auch der  hydraulische Rettungssatz mitgeführt wurde, ersetzt. In der Erkenntnis, dass menschliche Hilfsbereitschaft nur dann voll wirksam werden kann, wenn sie durch zeitgemäße, den modernen Erfordernissen entsprechende Hilfsmittel unterstützt wird, wurde der Entschluss gefasst, das seit 25 Jahren im Dienst stehende Tanklöschfahrzeug durch ein neues zu ersetzen. Dies wiederum machte eine nochmalige räumliche Erweiterung des bestehenden Garagentraktes notwendig. Dieser Zubau wurde von den Männern der Wehr im Frühjahr 1984 fertig gestellt.

 Aufrüstung des Fuhrparkes in den 90ern

Das neue Rüstfahrzeug 2000, 1985Das neue Rüstfahrzeug 2000, aufgebaut auf einem Steyr 791-Fahrgestell (Kostenpunkt 1,6 Millionen Schilling) wurde anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums offiziell seiner Bestimmung übergeben. Mit dem Ankauf dieses Fahrzeuges hat sich die Feuerwehr Gödersdorf selbst ihr schönstes Geburtstagsgeschenk beschert. Im Herbst 1991 kam es zu altersbedingten Neuwahlen und die Leitung der Wehr wurde von Andreas Truppe und Gerhard Kofler in die Hände von Karl Thomasser und Peter Willitsch übergeben.

Bereits im Jahre 1993 konnte Kommandant Karl Thomasser das noch von Andreas Truppe beantragte, neue Löschfahrzeug der Marke „Mercedes 711“ übernehmen und seiner Bestimmung übergeben. Um aber dem Mindestrüstungsstand einer Stützpunkt-Feuerwehr gerecht zu werden, wurde nach sachlichen Verhandlungen mit dem damaligen Bürgermeister Ing. Helmuth Hatze ein zweites, wasserführendes Fahrzeug – ein „TLF 1000“ angekauft und im Jahre 1996 feierlich eingeweiht. Zwischenzeitlich konnte nicht nur die langgediente VWTragkraftspritze gegen eine TS8 Marke Ziegler ausgetauscht werden, sondern es wurden auch Atemschutz-Geräte, Tauchpumpen, Öl-Wassersauger, Sisipak (Sirenensicherheitspaketstrom unabhängig) und andere notwendige Geräte angeschafft.

Feierliche Weihe des neuen Tanklöschfahrzeuges, 1996 Steigende Einsatzvielfalt, Aufgabenbereiche und Einsatzzahlen machten diese ständigen Erneuerungen und Anschaffungen notwendig. Unseren Fuhrpark vervollständigte ein, im Jahre 2002 angeschafftes,  Kleinrüstfahrzeugmit Sonderausstattung, welches – bestückt mit schwerem hydraulischem Rettungsgerät – wertvolle Hilfe bei technischen Einsätzen ermöglicht.

Ölwehranhänger und LUF (Löschunterstützungsfahrzeug), welches von den ÖBB gemeinsam mit dem TRZ (Tunnelrettungszug) angekauft wurden und in unserem Rüsthaus stationiert sind, (die Feuerwehr Arnoldstein und die Feuerwehr Gödersdorfbesetzen diesen Zug) brachten das Rüsthaus beinahe zum Platzen.

 

 Das neue Rüsthaus 2007

Der langgehegte Wunsch, ein neues Rüsthaus zu bauen, musste aus diesem und anderen Gründen umgesetzt werden – ein Grundstück in idealer Lage wurde von der Gemeinde erworben. Nach vielen Verhandlungsrunden wurde der von der Feuerwehr vorgelegte Plan genehmigt und im Herbst 2007 konnte unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Walter Harnisch im Beisein mehrerer politischer Vertreter, sowie Teilen der Bevölkerung der Spatenstich für das neue Rüsthaus gefeiert werden. Nach den ersten Grabungsarbeiten ging es mit dem Baufortschritt ab dem Frühjahr 2008 zügig voran. Täglich konnte man sich vom Baufortschritt überzeugen. Um unser neues Heim im Dezember 2008 betriebsfertig zu machen, wurden unzählige Arbeitsstunden von den Feuerwehrkameraden geleistet. So konnte wenige Tage vor Weihnachten anlässlich einer Einladung des Bürgermeisters der Marktgemeinde Finkenstein die neue Heimstätte in Betrieb genommen und vom damaligen LFW-Referenten Ing. Rohr sowie Bürgermeister Harnisch die neue Adresse und Hausnummer den stolzen Benutzern dieses modernen Rüsthauses übergeben werden.

V. l.: AFK Ernst Janschitz, GFK Karl Thomasser, Bgm. Walter Harnisch, LH-Stv. Reinhart Rohr